Kaum eine Substanz wird so kontrovers diskutiert wie DMSO: Für die einen ein vergessenes Wundermittel,
für die anderen ein Industrie-Lösungsmittel ohne Beweise. Sein „kleiner Bruder“ MSM steht als
Nahrungsergänzung in vielen Hausapotheken. Hier sortieren wir nüchtern, was belegt ist, was offen
bleibt – und warum die Studienlage so dünn ist, wie sie ist.
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Zwei Schwefelverbindungen im Praxis-Check – nüchtern betrachtet, mit Quellen belegt
Vom Industrie-Lösungsmittel zur umstrittenen Einreibung
DMSO steht für Dimethylsulfoxid – eine farblose Flüssigkeit, die als Nebenprodukt der Zellstoff- und Papierherstellung anfällt. Anfang der 1960er Jahre entdeckten die US-Forscher Stanley W. Jacob und Edward E. Rosenbaum, dass DMSO bei äußerlicher Anwendung schmerzlindernde und entzündungshemmende Eigenschaften besitzt.
Die Besonderheit: DMSO durchdringt die Haut sehr schnell und wirkt als „Schleuser“ – es transportiert andere Wirkstoffe mit durch die Hautbarriere direkt zum Zielgewebe. Diese Eigenschaft nutzt die Pharmazie gezielt, etwa in Diclofenac-Lösungen (in den USA als Pennsaid® zugelassen), wo DMSO den Schmerzwirkstoff tiefer ins Gewebe bringt als ein normales Gel. Im Körper wird DMSO in der Leber zu MSM umgewandelt – dazu weiter unten mehr.
Zu Sportverletzungen existieren ältere, kleinere Studien mit positiven Signalen – große moderne Untersuchungen fehlen. Bei Kniearthrose bewertet die unabhängige Plattform medizin-transparent die Wirksamkeit als unklar.
Als Einzelsubstanz ist DMSO in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen – es gibt kein Fertigarzneimittel. Als Hilfsstoff in Kombinationspräparaten (z. B. Dolobene® Gel) ist es enthalten.
Die Reinsubstanz (99,9 %, Arzneibuchqualität Ph. Eur.) ist frei verkäuflich – allerdings deklariert als Lösungsmittel, nicht als Arzneimittel. Wer sie anwendet, tut das in Eigenverantwortung.
DMSO und MSM sind seit Jahrzehnten bekannt, einfach herzustellen und nicht patentierbar. Ohne Patentschutz gibt es für Pharmaunternehmen keinen wirtschaftlichen Grund, viele Millionen Euro in große Zulassungsstudien zu investieren – egal, wie vielversprechend eine Substanz ist.
Das erklärt die Schieflage: Die dünne Studienlage ist kein Beweis der Unwirksamkeit, aber eben auch kein Beweis der Wirksamkeit. Sie ist vor allem eine Folge fehlender Finanzierungsanreize. Genau deshalb gilt: lieber gut informiert anwenden als ahnungslos ausprobieren.
Eine Patientin kaufte in der Apotheke eine DMSO-haltige Pflegecreme in der Plastiktube. Anfangs spürbar angenehm – nach einigen Wochen keine Wirkung mehr. Kein Einzelfall, sondern Chemie:
Es gibt keine zugelassene innerliche Anwendung von DMSO in Deutschland, Österreich oder der Schweiz, und die Sicherheitsdaten sind unzureichend. Dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sind Vergiftungsfälle im zweistelligen Bereich bekannt – ein Fall verlief tödlich. Wer Schwefel innerlich zuführen möchte: MSM ist die deutlich sicherere Alternative.
Organischer Schwefel als Nahrungsergänzung
Methylsulfonylmethan ist eine organische Schwefelverbindung – und genau das, was der Körper aus DMSO macht: Die Leber wandelt DMSO zu MSM um. Schwefel ist Baustoff für Kollagen, Knorpel, Sehnen und Bindegewebe.
Anders als DMSO ist MSM als Nahrungsergänzungsmittel eingestuft, geruchlos in Kapseln einnehmbar, gut verträglich und ohne Schleuser-Problematik. In den USA gilt es als unbedenklicher Lebensmittelbestandteil (GRAS-Status).
Mehrere randomisierte, placebokontrollierte Studien zeigen bei Kniearthrose und leichten Knieschmerzen Verbesserungen von Schmerz und Funktion – die Effekte sind moderat, die Studien klein. Fachleitlinien sprechen daher bislang keine Empfehlung aus.
In den Studien wurden 1,5 bis 6 Gramm pro Tag eingesetzt; gängige Produkte dosieren 1,6 bis 2 Gramm. Einschleichend beginnen und mit reichlich Wasser einnehmen.
MSM gilt als gut verträglich; gelegentlich treten anfangs leichte Magen-Darm-Beschwerden auf. Sicherheitsübersicht: Butawan et al. 2017.
Laborgeprüfte Standardprodukte · Preise Stand Juni 2026
2.000 mg MSM pro Tagesdosis (2 Tabletten), 99,9 % Reinheit, mit natürlichem Vitamin C, vegan, ohne Zusatzstoffe, deutsche Produktion.
1.600 mg MSM pro Tagesdosis (2 Kapseln), geschmacksneutrale Kapselhülle, ohne Magnesiumstearat, in Deutschland produziert.
Wer DMSO äußerlich anwenden möchte, nimmt die Reinsubstanz 99,9 % in Arzneibuchqualität (Ph. Eur.) – ausschließlich in der Braunglasflasche, erhältlich über Apotheken und Versandapotheken.
„Das DMSO-Handbuch“ und „Heilen mit DMSO“ von Dr. Hartmut Fischer sind die bekanntesten deutschsprachigen Titel; das Springer-Werk von Jacob, Herschler & Schmellenkamp (1985) der wissenschaftliche Klassiker.
DMSO nicht auf offene Wunden, Schleimhäute oder erkrankte Haut auftragen und nicht zusammen mit unbekannten Substanzen anwenden. In Schwangerschaft und Stillzeit auf DMSO und MSM verzichten bzw. ärztlich klären. Bei Einnahme von Medikamenten (besonders Blutverdünnern) vorher mit Arzt oder Apotheker sprechen. Diese Seite ersetzt keine ärztliche Beratung.
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DMSO (Dimethylsulfoxid) ist eine Flüssigkeit für die äußerliche Anwendung. Ihre Besonderheit ist die Schleuser-Funktion: Sie durchdringt die Haut sehr schnell und nimmt andere Wirkstoffe mit in die Tiefe.
MSM (Methylsulfonylmethan) ist das, was der Körper aus DMSO macht – eine organische Schwefelverbindung. Es wird als Nahrungsergänzungsmittel eingenommen, ist gut verträglich, riecht nicht nach Knoblauch und hat keine Schleuser-Problematik.
Beide Substanzen sind nicht patentierbar – sie sind seit Jahrzehnten bekannt und einfach herzustellen. Ohne Patentschutz fehlt der wirtschaftliche Anreiz, die vielen Millionen Euro für große Zulassungsstudien zu investieren.
Das ist wichtig für die Einordnung: Eine dünne Studienlage bedeutet nicht automatisch „wirkt nicht“ – aber eben auch nicht „wirkt“. Es bedeutet vor allem: Niemand hat den teuren Beweis finanziert.
Diese Frage kam aus der Praxis: Eine in der Apotheke gekaufte DMSO-haltige Creme wirkte anfangs gut – nach einigen Wochen nicht mehr. Drei Gründe kommen zusammen:
1. Plastiktube: DMSO ist ein starkes Lösungsmittel und greift Kunststoffe an – dabei können sich Bestandteile der Tube lösen und das DMSO verändert sich.
2. Wasseranteil: Cremes bestehen zu großen Teilen aus Wasser. Damit sinkt die DMSO-Konzentration unter die Wirkschwelle von etwa 50 %.
3. Zersetzung: DMSO baut sich mit der Zeit zu Dimethylsulfid ab – beschleunigt durch ungeeignete Verpackung.
Merksatz: DMSO gehört in Glas – am besten als Reinsubstanz in der Braunglasflasche, frisch verdünnt.
Manche Patientinnen und Patienten nehmen DMSO verdünnt in Wasser ein. Dazu muss man klar sagen: Es gibt keine zugelassene innerliche Anwendung in Deutschland, Österreich oder der Schweiz, und die Datenlage zur Sicherheit ist unzureichend.
Dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sind Vergiftungsfälle im zweistelligen Bereich bekannt – ein Fall verlief tödlich. Wer Schwefel innerlich zuführen möchte: MSM ist die sicherere Alternative – gleiche Schwefelquelle, als Nahrungsergänzungsmittel eingestuft, gut verträglich.
Im Körper entsteht aus DMSO unter anderem Dimethylsulfid – und das wird über Atem und Haut ausgeschieden. Der Geruch erinnert an Knoblauch oder Austern, hält Stunden an und ist für das Umfeld deutlich wahrnehmbar.
Gesundheitlich ist er harmlos. Nebenbei ist er der Grund, warum saubere placebokontrollierte DMSO-Studien so schwierig sind: Die Teilnehmer riechen, ob sie das echte Mittel bekommen haben.
In den klinischen Studien lagen die Tagesdosen zwischen 1,5 und 6 Gramm; die gängigen Produkte dosieren 1,6 bis 2 Gramm pro Tag. Empfehlenswert ist ein einschleichender Beginn mit reichlich Wasser.
MSM gilt als gut verträglich (in den USA als unbedenklicher Lebensmittelzusatz eingestuft). Gelegentlich treten zu Beginn leichte Magen-Darm-Beschwerden auf. In Schwangerschaft und Stillzeit fehlen Studien – hier vorher ärztlich klären.
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